Wenn ambulante und stationäre Versorgung enger zusammenarbeiten, müssen Informationen über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg verfügbar sein. Healthix zeigt, wie verteilte Gesundheitsdaten für Behandlung, Versorgungskoordination und Gesundheitsplanung nutzbar werden können.
Wenn Informationen an Systemgrenzen enden
Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen haben ihre digitale Ausstattung in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Krankenhausinformationssysteme, Labor- und Radiologiesysteme, Portale sowie spezialisierte Fachanwendungen unterstützen heute viele einzelne Arbeitsschritte. Was häufig fehlt, ist eine verbindende Struktur zwischen ihnen.
Für die Versorgung hat das konkrete Folgen: Informationen liegen in unterschiedlichen Systemen, werden mehrfach erfasst oder erreichen das Behandlungsteam erst mit Verzögerung. Bei einer Aufnahme ist dann möglicherweise nicht unmittelbar sichtbar, welche Befunde, Medikationsänderungen oder früheren Behandlungen an anderer Stelle dokumentiert wurden. Auch für Management, Versorgungsforschung und Prävention entsteht kein konsistentes Gesamtbild.
Mehr Digitalisierung löst dieses Problem nicht automatisch. Die vorhandenen Systeme und Daten müssen so zusammenspielen, dass Informationen im richtigen Kontext verfügbar werden.
Nicht noch ein System, sondern eine verbindende Grundlage
Ein Digital Backbone schafft diese Verbindung. Es ersetzt die gewachsene IT-Landschaft nicht zwangsläufig, sondern verbindet ihre relevanten Informationen über gemeinsame Integrationsmechanismen, Standards und Governance-Regeln.
Damit können Kliniken bestehende Anwendungen weiter nutzen und zugleich eine Grundlage für neue Versorgungsmodelle schaffen. Daten werden nicht für jedes Projekt neu gesucht und aufbereitet. Stattdessen lassen sich bestehende Integrationen, Datenmodelle und Zugriffsregeln wiederverwenden – für den klinischen Alltag ebenso wie für Steuerung, Analytics und Künstliche Intelligenz.
Ein solcher Ansatz verbindet vier Anforderungen:
- Interoperabilität: Systeme und Organisationen können Informationen verlässlich austauschen.
- Kontext: Relevante Daten werden dort sichtbar, wo sie für eine konkrete Behandlung oder Entscheidung gebraucht werden.
- Governance: Zugriffe, Einwilligungen, Datenqualität und Verantwortlichkeiten sind nachvollziehbar geregelt.
- Weiterentwicklungsfähigkeit: Neue Anwendungen können auf einer bestehenden Grundlage aufbauen, statt neue Insellösungen zu schaffen.
InterSystems unterstützt Gesundheitsorganisationen dabei, solche interoperablen Daten- und Integrationsstrukturen aufzubauen. Dafür steht ein umfangreiches Technologie- und Produktportfolio zur Verfügung.
Healthix: Wie aus Datenaustausch regionale Versorgung wird
Wie eine solche Grundlage in der Praxis genutzt werden kann, zeigt Healthix im Großraum New York. Das öffentliche Health Information Exchange System ist seit 2007 schrittweise gewachsen. Heute verbindet das Netzwerk mehr als 600 Organisationen und umfasst rund 16 Millionen Patientenakten. Monatlich werden dort mehrere hunderttausend Patientenakten aufgerufen.
Die Größe allein ist jedoch nicht der entscheidende Punkt. Wirkung entsteht, weil Informationen aus unterschiedlichen Einrichtungen einer Person zuverlässig zugeordnet und berechtigten Leistungserbringern im Versorgungskontext zugänglich gemacht werden können. So entsteht eine longitudinale Sicht auf den Behandlungsverlauf – also ein zusammenhängendes Bild über mehrere Kontakte, Einrichtungen und Zeitpunkte hinweg.
Informationen für die konkrete Versorgung aufbereiten
In einer akuten Behandlungssituation kann das bedeuten, dass ein Versorgungsteam schneller auf relevante Vorbefunde, Medikationsinformationen oder frühere Aufenthalte zugreift. Definierte Ereignisse, etwa die Aufnahme in einer Notaufnahme, können außerdem Benachrichtigungen auslösen und die Koordination zwischen beteiligten Einrichtungen unterstützen.
Die gemeinsame Datenbasis bildet zugleich den Ausgangspunkt für Anwendungen, die Informationen verdichten und für den jeweiligen Arbeitskontext aufbereiten. Healthix nutzt inzwischen auch Künstliche Intelligenz, um klinische Informationen aus umfangreichen, longitudinalen Akten schneller auffindbar und verständlich zu machen. Der Grundsatz bleibt dabei entscheidend: KI kann die Informationssuche unterstützen, die klinische Verantwortung bleibt bei den behandelnden Fachkräften.
Von der einzelnen Patientenakte zur regionalen Perspektive
Der Nutzen endet nicht bei der direkten Behandlung. Wenn Daten aus verschiedenen Versorgungskontexten kontrolliert zusammengeführt werden können, lassen sie sich auch für die Planung und Verbesserung der Versorgung nutzen.
Auswertungen können beispielsweise zeigen, in welchen Regionen oder Bevölkerungsgruppen besondere Risiken bestehen, wo Präventionsangebote nicht ausreichend erreicht werden oder bei welchen chronischen Erkrankungen eine frühere Intervention sinnvoll sein könnte. Während der Covid-19-Impfkampagne konnten auf Basis regionaler Daten Unterschiede bei Impfquoten sichtbar gemacht und Maßnahmen gezielter ausgerichtet werden. Auch die Entwicklung von Risikomodellen und die Versorgungsforschung profitieren von einer belastbaren, longitudinalen Datengrundlage.
Healthix bezieht dabei nicht nur klinische Informationen ein. Für eine wirksame Prävention und Nachsorge können auch soziale Faktoren relevant sein – etwa Sprachbarrieren, eingeschränkte Mobilität oder fehlende soziale Unterstützung. Eine regionale Datenbasis kann helfen, solche Aspekte in die Koordination einzubeziehen, sofern die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Was sich auf Deutschland übertragen lässt
Die Rahmenbedingungen in den USA und Deutschland sind nicht identisch. Healthix ist deshalb keine Blaupause für deutsche Gesundheitsregionen. Der Case zeigt jedoch ein Prinzip, das für beide Systeme relevant ist: Regionale Versorgung braucht eine technische und organisatorische Grundlage, die über einzelne Einrichtungen hinausreicht.
Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Initiativen zu, die Informationen sektorenübergreifend verfügbar machen und Versorgung regional organisieren wollen. Beispiele aus Hamburg und der Lausitz verdeutlichen, dass der Blick sich zunehmend von der einzelnen Klinik auf Versorgungspfade, Netzwerke und ganze Regionen richtet.
Damit aus einzelnen Projekten eine tragfähige Struktur entsteht, sollten drei Fragen früh beantwortet werden:
1. Welche Versorgungssituation soll konkret verbessert werden?
Ein klarer Anwendungsfall schafft Orientierung. Das kann der Austausch diagnostischer Informationen, die Koordination nach einer Entlassung oder die frühzeitige Erkennung von Versorgungsrisiken sein. Entscheidend ist ein messbarer Nutzen für Patientinnen und Patienten, Behandlungsteams oder die regionale Steuerung.
2. Welche gemeinsame Daten- und Integrationsbasis ist dafür erforderlich?
Neue Anwendungen sollten nicht unabhängig voneinander eigene Schnittstellen und Datenbestände aufbauen. Sinnvoller ist eine Architektur, in der Integrationen, Identitätsmanagement und Datenstrukturen für weitere Anwendungsfälle nutzbar bleiben.
3. Wer trägt Verantwortung für Zugang, Qualität und Weiterentwicklung?
Interoperabilität ist nicht nur eine technische Aufgabe. Beteiligte Einrichtungen brauchen gemeinsame Regeln für Datenqualität, Berechtigungen, Einwilligungen und Verantwortlichkeiten. Eine neutrale beziehungsweise klar mandatierte Betreiberstruktur kann dabei helfen, Interessen zusammenzuführen und Vertrauen zu schaffen.
Das Digital Backbone als Grundlage für den nächsten Versorgungsschritt
Ambulantisierung und sektorenübergreifende Versorgung verändern die Anforderungen an Gesundheitsorganisationen. Informationen müssen nicht nur digital vorliegen, sondern über Organisationsgrenzen hinweg verlässlich nutzbar sein. Gleichzeitig sollen neue Anwendungen, Analytics und KI sicher in bestehende Abläufe integriert werden können.
Ein Digital Backbone verbindet dafür Systeme, Einrichtungen und heutige Versorgung mit künftigen digitalen Anwendungen. Healthix macht anschaulich, wie sich eine solche Struktur ausbauen lässt – vom organisationsübergreifenden Zugriff auf Behandlungsinformationen über Benachrichtigungen bis hin zu regionaler Versorgungssteuerung.
Deutschland braucht keine Kopie des New Yorker Modells. Es braucht jedoch die Bereitschaft, digitale Infrastruktur nicht nur für einzelne Projekte zu planen, sondern als langfristige Grundlage für vernetzte Versorgung.
InterSystems Digital Backbone
InterSystems verbindet Interoperabilität, Datenmanagement und Anwendungen für das Gesundheitswesen in einer gemeinsamen technologischen Grundlage. Mit dem vorhandenen Technologie- und Lösungsportfolio können Gesundheitsorganisationen bestehende Systeme anbinden, Gesundheitsinformationen im Versorgungskontext verfügbar machen und neue Anwendungsfälle schrittweise ergänzen.
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