Neu auf der Trainerbank: So verändert sich die Rolle der Chief Data Officer im Finanzsektor

Das Anforderungsprofil an den Chief Data Officer (CDO) hat sich in letzter Zeit radikal gewandelt. Zwar sind Sicherheit und Compliance noch immer Schlüsselaufgaben dieser Rolle. Doch auch Strategie und Innovation gewinnen zunehmend an Bedeutung. Diese Veränderung hat dazu geführt, dass CDOs im Finanzdienstleistungssektor in Geschäftsentscheidungen eine immer stärker strategisch ausgerichtete Rolle einnehmen. Das gilt umso mehr, als diese Position mittlerweile zu einer festen Größe in zukunftsorientierten Unternehmen geworden ist.

Vor diesem Hintergrund ändert sich auch das Aufgabengebiet der CDOs. Sie müssen nicht mehr nur dafür sorgen, dass die Daten sicher sind und ihr Unternehmen den strengen Datenschutzvorschriften gerecht wird. Sie entwickeln auch neue Strategien für das Datenmanagement, um interne wie externe Daten optimal auszunutzen und so einen Mehrwert zu schaffen. Doch dieser Anspruch geht mit zahlreichen Herausforderungen einher – insbesondere mit Blick auf die sich rasch verändernden Regulierungsvorschriften.

Um eine Analogie aus dem Mannschaftssport zu bemühen: CDOs waren bisher eher als Abwehrspieler aktiv. Sie haben immer wieder neue Strategien entwickelt, um Angriffe abzuwehren, neue Regeln und Vorschriften umzusetzen und Wettbewerbsvorteile zu verteidigen. Doch je wichtiger Daten im Alltag für die unternehmerische Strategie werden, desto mehr übernehmen sie die Rolle des Cheftrainers und sind daher aufgefordert, sich sowohl mit Angriffs- als auch Abwehr-Strategien auseinanderzusetzen. Entsprechend suchen Sie nach neuen Wegen, Kunden einen zusätzlichen Nutzen zu bieten, Risiken zu reduzieren und schneller auf geschäftliche Anforderungen zu reagieren. Und eine solche kombinierte Angriffs- und Abwehrstrategie setzt voraus, dass Daten optimal genutzt werden können.

Die aktuelle Lage der Finanzdienstleistungsbranche

Um zu untersuchen, wie Finanzdienstleister den daten- und analysebezogenen Herausforderungen einer sich ständig wandelnden Regulierungslandschaft begegnen, hat InterSystems gemeinsam mit World Business Research (WBR) Insights und Financial Data Innovation FIMA 100 leitende Mitarbeiter von Investmentbanken, Vermögensverwaltern, Hedgefonds und Versicherungsunternehmen aus aller Welt befragt. Die Ergebnisse der Studie und unsere Analyse zu den Auswirkungen auf die Zukunft der Finanzdienstleistungsbranche wurden in dem FIMA-Bericht The Evolving Role of the CDO at Financial Organizations (Die veränderte Rolle von CDOs in Finanzunternehmen) veröffentlicht.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Unternehmen der Finanzbranche Fortschritte mit Blick auf Compliance-Belange rund um ihre Finanzdaten erzielt haben. So wenden die meisten Firmen mittlerweile nur noch 40 % ihres Budgets für entsprechende Compliance-Belange auf. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie bis zu 60 % ihres Budgets für die Verfolgung strategischer Initiativen („Change the bank“) aufwenden können. Hierzu zählen etwa die Einführung neuer, innovativer Angebote in Richtung der Kunden und die Schaffung zusätzlichen Kundennutzens mit dem Ziel, sich wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Die Automatisierung der Compliance für Finanzdienstleister

Finanzunternehmen können diese Finanzmittel auch nutzen, um ihre Compliance-Automatisierung voranzutreiben. Denn immer noch werden mindestens 50 % aller Compliance-Funktionen in über 54 % aller Unternehmen manuell ausgeführt. Und nur fünf von 100 Unternehmen geben an, dass 70 % ihrer Compliance-Funktionen bereits vollständig automatisiert sind.

Die Compliance-Automatisierung ist zweifelsohne ein stetig andauernder Prozess und erfordert durchgängig Aufwand und Investitionen – um einerseits laufende Compliance-Initiativen zu automatisieren und andererseits die ständig neuen Anforderungen zu bewältigen. Glücklicherweise ist die Finanzbranche in diesem Umfeld sehr offen für die Einführung neuer Technologien und die Studie hat gezeigt, dass Finanzmanager KI-gestützte analytische Cloud-Dienste und vorausschauende Analysen als besonders wichtig erachten, wenn es darum geht, mit der stärkeren Nutzung des Datenmanagements die Erreichung der Haupt-Geschäftsziele zu unterstützen.

Die Einführung von Enterprise Data Fabrics

Die Umfrage konnte auch zeigen, dass Enterprise Data Fabrics zunehmend an Beliebtheit gewinnen, wenn es um die Nutzung neuer Enterprise Management Strategien geht. Dabei handelt es sich um eine Architektur, mit der Firmen auf harmonisierte Daten aus unterschiedlichen Datenquellen einheitlich zugreifen können. So können sie eine deutlich größere Wertschöpfung aus ihren Daten generieren.

Die überwältigende Mehrheit (87 %) der Datenmanager in der Finanzbranche gibt an, im Jahr 2021 offensivere Strategien im Data Management zur Umsetzung zentraler Geschäftsziele unterstützen zu wollen. Die Umsetzung neuer Initiativen stellt Finanzdienstleister aufgrund der immer vielfältigeren Datenquellen und der bestehenden Datensilos allerdings weiterhin vor große Herausforderungen, was die Fähigkeit zur Verarbeitung von Risikodaten, die Bewertung der Risikotoleranz und die ganzheitliche Betrachtung des Risikos erheblich einschränkt.
Abhilfe können KI-gestützte Data-Fabric-Lösungen schaffen, die es Finanzdienstleistern ermöglichen, eine einheitliche, unternehmensweite Sicht über alle Legacy-Anwendungen hinweg zu erhalten. Insofern scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis eine großflächige Verbreitung von Data Fabrics-Lösungen und entsprechenden Konzepten in der Finanzbranche erreicht wird.

Viele führende Finanzdienstleister verwenden schon heute Data Fabrics, um verschiedenste geschäftskritische Initiativen voranzutreiben – von der Szenarioplanung über die Modellierung geschäftlicher Risiken und der Liquidität bis hin zur Vermögensverwaltung.

Data Fabrics versetzen Finanzdienstleister in die Lage, enorme Datenmengen zu durchsuchen und sich eine einheitliche Sicht auf richtige, konsistente und vertrauenswürdige Daten in Echtzeit zu verschaffen. Auf diese Weise können die Finanzdienstleister viele Initiativen im Risikobereich oder der Regulatorik bewältigen. Hierzu zählen unter anderem die Risikodatenaggregation (70 %), die Erstellung von CFO-Bestätigungen (67 %) sowie die umfassende Kapitalanalyse und -prüfung (Comprehensive Capital Analysis and Review, CCAR) (62%).

Ausblick: Die Zukunft der Finanzbranche

Eine mangelnde Transparenz und die fehlende Fähigkeit, unkompliziert mit verstreuten Datenbeständen umzugehen, ist für Finanzunternehmen ein häufiges und komplexes Problem. Es beeinträchtigt maßgeblich ihre Fähigkeit, erfolgreich sowohl nutzenorientierte als auch sicherheits- und qualitätsgetriebene Initiativen umzusetzen. Vorausschauend denkende Finanzdienstleister haben bereits damit begonnen, moderne Konzepte des Data Managements zu implementieren. Hierzu zählen unter anderem Enterprise Data Fabrics, Microservices, APIs, automatische Governance, Machine Learning, sowie Cloud-Technologien, die helfen, die Silos zu überwinden und die zahllosen Anforderungen der Business-Seite schneller und mit weniger Aufwand zu realisieren.

Da die CDOs immer stärker in die Rolle des Cheftrainers rücken, haben sie viel mehr Einfluss auf die Gestaltung ihrer Mannschaft, ihre Fähigkeiten und so letztendlich auch auf das Endergebnis. Oder anders ausgedrückt – sie übernehmen durch innovative, optimierte Daten-Strategien eine viel aktivere Rolle in der Modernisierung ihres Unternehmens.

Weitere Informationen zu dem sich wandelnden Anforderungsprofil für CDOs in der Finanzbranche finden Sie im ungekürzten Bericht, den Sie hier herunterladen können.

Joe Lichtenberg

Joe Lichtenberg ist verantwortlich für das Produkt- und Industriemarketing des Bereichs Datenplattformen bei InterSystems. Er bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Arbeit für verschiedene Anbieter von Datenmanagement-, Analyse- und Cloud-Computing-Technologien mit.

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