Wenn ich als Sales Engineer Manager bei InterSystems heute mit CIOs, Enterprise Architects oder IT-Leitern spreche, bemerke ich, dass sich die Gespräche in letzter Zeit verändert haben. Vor einigen Jahren, als ich selbst noch im Produktmanagement tätig war und daran arbeitete, Kundenanforderungen in unsere Datenplattformtechnologie einzuarbeiten, standen meist Fragen nach der passenden Technologie im Mittelpunkt. IT-Entscheider fragten sich: Welche Datenbank ist die richtige? Welche Integrationsplattform erfüllt unsere Anforderungen? Welche Analytics-Lösung oder Cloud-Strategie bringt uns am schnellsten voran?
Diese Fragen sind nicht verschwunden. Doch sie werden zunehmend von den folgenden Fragen überlagert:
- Wie können wir KI produktiv und mehrwertstiftend einsetzen?
- Wie schaffen wir es, unsere bestehende IT-Landschaft weiterzuentwickeln?
- Verhindern unsere Legacy-Systeme unser Wachstum oder lassen sie sich sinnvoll in unsere KI-Strategie einbinden?
Diese Fragestellungen begegnen mir inzwischen in nahezu jedem Digitalisierungsprojekt. Und genau ihnen widme ich mich in dieser dreiteiligen Blogserie.
Im diesem ersten Teil geht es zunächst um die Frage, worauf es wirklich ankommt, wenn IT-Verantwortliche (aus ganz unterschiedlichen Gründen) vor der Aufgabe stehen, ihre bestehende IT-Landschaft strategisch weiterzuentwickeln.
Warum Unternehmen heute nicht an fehlender Technologie scheitern – sondern an der Komplexität ihrer eigenen IT-Landschaft
Unternehmen verfügen heute über mehr Technologien als je zuvor. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Organisationen, dass neue Anforderungen nicht immer so schnell umgesetzt werden können, wie es fachlich oder strategisch wünschenswert wäre. Das liegt in der Regel nicht an der Leistungsfähigkeit einzelner Werkzeuge.
Häufig entsteht die eigentliche Herausforderung erst im Zusammenspiel der verschiedenen Technologien. Denn mit jeder neuen Anwendung, jeder zusätzlichen Schnittstelle und jeder weiteren Datenquelle nimmt auch die Komplexität der Gesamtarchitektur zu.
Deshalb ist das Gewährleisten genau dieses Zusammenspiels, also die Architektur der IT-Landschaft, als wichtige Managementaufgabe zu sehen. Sie entscheidet unmittelbar darüber, wie schnell Unternehmen auf neue Anforderungen reagieren können, wie wirtschaftlich sich ihre IT betreiben lässt und wie belastbar die Grundlage für Themen wie Automatisierung, Analytics oder Künstliche Intelligenz tatsächlich ist.
Digitalisierung macht Unternehmen erfolgreicher – und ihre IT komplexer
Digitalisierung folgt selten einem großen Masterplan. Die meisten IT-Landschaften entstehen schrittweise und wachsen organisch, zum Beispiel bei folgenden Anlässen:
- Ein neues Geschäftsmodell benötigt eine zusätzliche Anwendung.
- Eine Fachabteilung führt eine spezialisierte Software ein.
- Es gibt einen Firmenzusammenschluss und Systeme müssen zusammengeführt werden.
- Für Reporting wird ein Data Warehouse aufgebaut.
- Später kommen Cloud-Services, APIs, Integrationsplattformen oder KI-Anwendungen hinzu.
Jede einzelne dieser Entscheidungen ist nachvollziehbar, doch die Herausforderung liegt darin, alle vorhandenen Systeme sinnvoll und wirtschaftlich miteinander zu kombinieren: Informationen müssen zwischen Anwendungen ausgetauscht, Prozesse über Systemgrenzen hinweg orchestriert und Sicherheits- sowie Governance-Anforderungen über unterschiedlichste Plattformen hinweg eingehalten werden.
Aus technischer Sicht spricht man häufig von Integrationskomplexität. Aus Managementsicht geht es jedoch um etwas anderes: um Steuerbarkeit. Gerade im Zuge der rasanten Verbreitung von KI-Anwendungen, die in bestehende Systeme integriert werden sollen, wird diese Herausforderung besonders deutlich. (Auf diesen speziellen Aspekt gehe ich im nächsten Beitrag dieser Blogreihe näher ein.)
Was ich sagen kann, ist: Jede zusätzliche Verbindung erhöht nicht nur die technische Komplexität, sondern auch den organisatorischen Aufwand. Verantwortlichkeiten verteilen sich auf mehrere Teams, Release-Zyklen müssen aufeinander abgestimmt werden und Fehler lassen sich immer schwieriger eindeutig lokalisieren.
Warum Komplexität heute zum eigentlichen Innovationshemmnis wird
Es gibt selten den einen Moment, in dem eine IT-Landschaft plötzlich zu komplex wird. Viel häufiger geschieht dieser Wandel schleichend. Aus meiner Erfahrung lassen sich dennoch einige typische Warnsignale beobachten, die darauf schließen lassen, dass Ihre bestehende IT-Architektur an Ihre Grenzen stößt:
- Neue Anforderungen führen fast automatisch zu weiteren Schnittstellen oder zusätzlichen Datenkopien.
- Die Ursachenanalyse eines Problems verteilt sich über mehrere Systeme und verschiedene Teams.
- Innovationsprojekte beginnen nicht mit fachlichen Fragestellungen, sondern mit langen Diskussionen über bestehende Abhängigkeiten.
- Oder ganz einfach: Statt proaktiv zu agieren, reagiert die IT nur noch.
Spätestens wenn zwei oder mehr dieser Aussagen zutreffen, ist es Zeit für einen Perspektivwechsel.
Klar ist: Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselbe Architektur und nicht jede Organisation profitiert automatisch von einer Plattformstrategie. Kleine, klar abgegrenzte Anwendungsfälle lassen sich häufig sehr effizient mit spezialisierten Lösungen umsetzen.
Doch was sich sagen lässt: Je mehr Systeme dauerhaft miteinander kommunizieren müssen, je mehr Datenquellen zusammengeführt werden und je häufiger sich fachliche oder regulatorische Anforderungen ändern, desto wichtiger wird die verbindende Architektur zwischen den einzelnen Komponenten.
Und genau an diesem Punkt unterscheidet sich ein klassischer, gewachsener Technologie-Stack von einem Plattformansatz:
Ein Technologie-Stack erweitert die IT-Landschaft häufig um zusätzliche spezialisierte Werkzeuge. Für Datenhaltung, Integration, Analyse, KI-Unterstützung oder Prozessautomatisierung kommen jeweils dedizierte Komponenten zum Einsatz. Das kann kurzfristig sinnvoll sein, erhöht aber mit jeder weiteren Komponente auch die Zahl der Schnittstellen, Abhängigkeiten und Betriebsaufgaben.
- Eine Plattformstrategie verfolgt einen anderen Ansatz. Sie schafft einen gemeinsamen architektonischen Rahmen, in dem zentrale Fähigkeiten wie Datenhaltung, Integration, Sicherheit, Governance, Skalierung und Betrieb konsistent zusammenspielen. Neue Anwendungen und Use Cases entstehen dann nicht als weitere technische Inseln, sondern bauen auf wiederverwendbaren Strukturen auf. Der strategische Vorteil liegt damit nicht nur in zusätzlichen Funktionen, sondern in weniger Fragmentierung, höherer Wiederverwendbarkeit und einer deutlich besseren Steuerbarkeit der Gesamtarchitektur. Zu bedenken gebe ich dabei: nicht nur die Anzahl der Funktionen entscheidet über den langfristigen Wert einer Plattform, sondern ihre Fähigkeit, neue Anforderungen aufzunehmen, ohne gleichzeitig neue Komplexität zu erzeugen.
Architektur muss Innovation ermöglichen, nicht verwalten
Aus meiner Sicht besteht die eigentliche Aufgabe einer modernen IT-Architektur darin, Veränderung beherrschbar zu machen, zum Beispiel:
- Neue Geschäftsmodelle.
- Neue regulatorische Anforderungen.
- Neue Datenquellen.
- Neue KI-Anwendungen.
All diese Entwicklungen werden in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen. Anstatt also immer wieder nach neuen Technologien zu suchen, um neue Anforderungen zu erfüllen, sollten Unternehmen prüfen, welche Architektur sie auch morgen und übermorgen noch handlungsfähig hält.
Genau hier setzt InterSystems IRIS an. Die Plattform ist nicht darauf ausgelegt, bestehende IT-Systeme zu ersetzen oder bewährte Anwendungen abzulösen. Vielmehr ergänzt sie vorhandene Architekturen durch einen gemeinsamen technologischen Kern, der Datenmanagement, Integration, Interoperabilität und Ausführungslogik zusammenführt und schafft eine verbindende Plattformebene, die Komplexität an den Übergängen reduziert, ohne laufende Strukturen grundlegend infrage zu stellen.
Bestehende Systeme, Anwendungen und Datenquellen können also weiterhin genutzt und schrittweise weiterentwickelt werden. Der Mehrwert entsteht durch eine konsistente, leistungsfähigere und besser steuerbare Gesamtarchitektur.
Fazit: Gute Architektur fällt selten auf – schlechte immer
Architekturentscheidungen gehören zu den wenigen strategischen Entscheidungen, deren Folgen Unternehmen oft erst Jahre später vollständig erkennen. Solange Systeme funktionieren, Prozesse laufen und Projekte umgesetzt werden können, bleibt gute Architektur weitgehend unsichtbar.
Erst wenn jede neue Anforderung zusätzliche Schnittstellen, weitere Datenkopien oder komplexere Abstimmungsprozesse erzeugt, wird deutlich, welch wichtige Rolle Architektur tatsächlich spielt. Sie entscheidet darüber, wie wirtschaftlich Unternehmen ihre Digitalisierung vorantreiben können, wie schnell Innovationen umgesetzt werden, wie belastbar Daten für Analytics und KI bereitstehen. Und somit letztlich darüber, ob die IT zum Beschleuniger oder zum Engpass der Unternehmensentwicklung wird.
Genau deshalb sollte Architektur heute nicht nur in IT-Abteilungen diskutiert werden, sondern gehört auf die Agenda des Managements.
Weiterlesen
Im nächsten Beitrag meiner Blog-Miniserie zur Datenarchitektur geht es um eine zentrale, aber häufig unterschätzte Frage: Warum werden Datenkopien in vielen Unternehmen zum eigentlichen Auslöser für Integrationsprobleme, steigende Betriebskosten und nicht selten auch für enttäuschende KI-Initiativen?
Den vollständigen Deep Dive finden Sie in unserem neuen Guide "Der große Leitfaden für InterSystems IRIS" zum kostenfreien Download.






























