Vor dem Virus sind wir alle gleich

Unter den vielfältigen vorbildhaften Beispielen für das persönliche Engagement im Kampf gegen das Virus beschreiben wir hier die Erfahrungen, die unsere InterSystems-Kollegin im Hotspot Italien macht. Sie setzt sich freiwillig als Intensiv-Krankenschwester im Kampf gegen Corona ein.

Silvia Marzoli
Silvia Marzoli, 32 Jahre alt und Mitarbeiterin von InterSystems, arbeitet an Wochenenden freiwillig als Intensiv-Krankenschwester in der Reanimation eines Krankenhauses in Norditalien – einem Hotspot der Pandemie.

Seit 2018 arbeitet Silvia Marzoli bei InterSystems in Italien. Mit ihrer langjährigen praktischen Erfahrung als Krankenschwester für Intensivpflege hat sie sich entschlossen, freiwillig den Kampf gegen das Coronavirus in ihrem von Covid schwer getroffenen Land mit aufzunehmen. Der Zeitung Il Giornale berichtete sie im März von ihrem Engagement auf einer Krankenhaus-Intensivstation im norditalienischen Brescia.

„Es ist normal, Angst zu haben“, so Silvia – „besonders, wenn man gegen einen Feind in Form eines hoch ansteckenden Virus kämpft. Wir sollten uns jedoch in diesen schwierigen Zeiten nicht durch persönliche Ängste davon abschrecken lassen, einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten“.

Nach Jahren der Arbeit als Krankenschwester auf der Intensivstation zögerte sie nicht, auf diese zurückzukehren, um ihr Können in den Dienst für andere zu stellen. Silvia ist 32 Jahre alt und lebt in der Provinz Brescia. Acht Jahre lang hatte sie als Krankenschwester auf der Intensivstation eines Mailänder Krankenhauses gearbeitet; nach einem Master-Abschluss in öffentlicher Verwaltung wechselte sie 2018 zu einer neuen Karriere bei InterSystems. Der Ausbruch von COVID-19 motivierte Silvia jedoch dazu, mit an die vorderste Front im Kampf gegen das Virus zu gehen – ins Krankenhaus: Sie kehrte auf die Intensivstation zurück. Die Wochenenden über arbeitet sie dort in Brescia, bis das Schlimmste vorüber ist.

Eine Entscheidung ohne Vorbehalte

„Als die Epidemie ausbrach, wurde mir klar, dass wir nicht mit einer normal beherrschbaren Situation konfrontiert waren“, erinnert sie sich, „und dass wir uns auf etwas Neues, Großes vorzubereiten hatten. China hatte uns bereits dramatische Folgen dieses Ausbruchs gezeigt, und inzwischen erleben wir diese vor unserer eigenen Haustür“. So wurde ihr der Ernst der Situation in den Krankenhäusern von Tag zu Tag klarer. Ihre Zweifel verschwanden, und sie beschloss, ihre Wochenenden zur Rettung ihrer Mitmenschen einzusetzen.

Besorgnis, aber auch Unterstützung von Angehörigen

Ihren Entschluss nahmen Silvias Angehörige, Freunde und Kollegen bei InterSystems zum einen mit berechtigter Sorge zur Kenntnis. Andererseits signalisierten sie jedoch ihre Unterstützung und ihr Verständnis. „Ihre Solidarität hat mir zusätzlich Kraft und Entschlossenheit vermittelt, diesen Weg zurück ins Krankenhaus zu gehen“, so Silvia.

Erfahrungen im bekannten Arbeitsumfeld

Es fühlte sich an, als sei sie nie weg gewesen, beschreibt die Intensiv-Krankenschwester ihre Rückkehr auf die Station. „Es herrscht ein einzigartiger Teamgeist: Ärzte, Krankenschwestern, Assistenzpersonal – niemand bleibt auch nur eine Sekunde stehen. Das volle Engagement aller Beteiligten gilt den Patienten.“ Dieses gemeinsame Handeln schafft ein wunderbares Vertrauen, fährt sie fort. Die Situation im Bereich der Reanimation sei immer noch hektisch, und das Personal müsse sich immer wieder an neue Bedürfnisse anpassen: „Die Stationen sind so gestaltet, dass die Patienten den vollen Umfang an pflegerischer Betreuung erhalten. Diese Maschinerie kommt nicht zum Halt, und so kann niemand Pausen einlegen.“

Trennung der Patienten von ihren Verwandten

Die Trennung der Patienten von ihren Angehörigen und Freunden ist eine brutale Angelegenheit, beobachtet Silvia. „Da die Regeln streng und Besuche nicht erlaubt sind, bleibt nur die Kommunikation mit digitalen Mitteln … Wir versuchen, die Angehörigen zu beruhigen, und erläutern ihnen möglichst objektiv die Situation des Patienten. Wir wollen vermeiden, dass sie Angst empfinden; manchmal erleben wir allerdings Szenen der Verzweiflung. Wir müssen die Besucher leider wegschicken.“ Angehörige sollten über dieses notwendige Vorgehen informiert sein und sich so darauf einstellen können.

Botschaft der Pflegenden und Ärzte an die Bevölkerung

Italiener applaudieren ihren Helden in der Gesundheitsversorgung. Wie lautet die Botschaft der Ärzte und des Pflegepersonals an die Menschen „draußen“? „Sie sollten das Haus nicht verlassen“, betont Silvia. „Gehen Sie nicht raus.“ Immer noch, sagt die Intensiv-Krankenschwester, seien zu viele Menschen auf der Straße unterwegs. Sie empfiehlt, nicht nach Gründen zu suchen, um Haus und Wohnung zu verlassen – sondern das gesundheitliche Risiko für alle ernst zu nehmen. „Nur wenn die Menschen die Regeln einhalten und ihre Ausflüge minimieren, werden unsere Anstrengungen als Ärzte und Krankenschwestern nicht zunichte gemacht.“

Wie verhalten sich die jungen Leute?

Die meisten von ihnen haben Angst, wie alle anderen Menschen auch, so Silvias Beobachtung. „Zwar haben wir Szenen erlebt mit trinkenden und übermütigen jungen Leuten, die dem Virus nicht viel Aufmerksamkeit widmen; sehr viele junge Leute jedoch gehen verantwortungsbewusst mit dem Thema um.“ Dies, fährt Silvia fort, gilt auch insbesondere für die jungen Leute, die das Geschehen im Krankenhaus mitbekommen. „Sie lernen zu verstehen: Dieses Virus fragt nicht nach Geschlecht, Herkunft oder Alter – es kann uns allen großen Schaden zufügen.“

Seit sie wieder im Krankenhaus arbeitet, beschäftigt sie eine zentrale Frage: „Wann wird dieser Kampf endlich vorüber sein?“. Nichts wünscht sie sich mehr als Gewissheit für eine Zukunft mit Normalität.

PS: Rund vier Wochen später, im Chat am Ostermontag, beschreibt Silvia, dass sie bei ihrem Einsatz am Wochenende nun das erste Mal den Eindruck hatte, dass sich die Situation etwas entspannt.

Michael Reiter, freier Journalist, spezialisiert auf den Gesundheitssektor.

Hier lesen Sie das Interview im Original: https://www.ilgiornale.it/news/cronache/coronavirus-livella-anche-i-giovani-devono-proteggersi-1842276.html

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