Sichere Versorgung für mehr als acht Millionen Patienten

Greater Houston HealthConnect ermöglicht den vernetzten Austausch elektronischer Patientendaten

„Die größte Herausforderung bestand darin, die Stakeholder von den enormen Vorteilen unseres Ansatzes zu überzeugen“, erinnert sich CEO Nick Bonvino. Heute bietet seine gemeinnützige Organisation Greater Houston HealthConnect (GHHC) den Leistungserbringern und Kostenträgern der Region Zugriff auf die Daten von rund 8,2 Millionen Patienten. Im Kontext des – kurzfristig abgesagten – HIMSS-Jahreskongresses präsentierte Bonvino die Herangehensweisen und Erfolge von GHHC der Swissig-Delegation aus Schweizer und deutschen Stakeholdern der Gesundheitsversorgung.

Die Historie der „Regional Health Information Organizations“ (RHIO), auch Health Information Exchanges” (HIE) genannt, nahm 2004 ihren Anfang. Damals erteilte Präsident George W. Bush eine Executive Order mit dem Ziel, eine Infrastruktur für den Gesundheitsdatenaustausch zwischen Stakeholdern einzuführen. Sie sollte, und soll, helfen, Transparenz zu schaffen und die enormen Herausforderungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Qualität in dem fragmentierten US-Gesundheitswesen zu meistern. Am Ende der Entwicklung soll eine nationale Austauschplattform stehen. – Auch wenn das Office of the National Coordinator for Health Information Technology (ONC) im Gesundheitsministerium HHS die Durchsetzung unterstützen soll, so prägen doch unterschiedlichste Rahmenbedingungen und Modelle USA-weit den Auf- und Ausbau dieser Organisationen.

Feuerwehr und Rettungsdienste, Greater Houston Health Connect, Texas, USA
Mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit über die komplette Behandlungskette, beginnend mit der Rettungsmedizin:
die Plattform der Regional Health Information Organisation GHHC macht’s möglich.

Organisieren, überzeugen, umsetzen

Sein IT-Karriereweg führte Bonvino über die Großunternehmen IBM, Siemens und EDS zum RHIO-Aufbau im Staat New York. Dann entschied er sich für eine weitere unbequeme Herausforderung: Mit einem kleinen Team richtete Bonvino ab 2014 das GHHC ein – Technik, Strukturen, Services und Workflows. Es gelang ihm, große und kleine Leistungserbringer mit Patientendaten aus allen gängigen Primärsystemen im US-Markt im RHIO einzubinden – darunter Epic, Cerner und Nextgen.

Essenziell war ferner ein Master Patient Index, der die 8,2 Millionen Patienten sicher identifiziert; die seltenen nicht automatisch zuzuordnenden Patienten werden manuell bearbeitet. Bei Patienten fragen die Leistungserbringer die Einwilligung ab. Stammdaten stehen bei der Verfügbarmachung von Patientendaten im Fokus, klinische Daten und diagnostische Bilder stellt GHHC als weiteren Service zur Verfügung. Ein Board der Stakeholder entscheidet darüber, welche Anspruchsgruppen welche Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Die Teilnehmer finanzieren die Aktivitäten der Organisation. „Wir haben dieses komplexe System erfolgreich mit der Interoperabilitätsplattform HealthShare von InterSystems realisiert – und der Betrieb läuft robust“, freut sich der CEO.

Zugriff durch Patienten nicht Teil des Portfolios

Nicht wirklich betroffen sieht Bonvino sich von den neuen Regelungen aus Washington. Eigentümer der Daten sind die Patienten – so beurteilt er die Sachlage. Allerdings sieht er in seinem Konstrukt die Verantwortung der Bereitstellung an Patienten bei den Leistungserbringern. Den Hintergrund bilden hierzu neue Regularien aus Washington zur Souveränität der Patienten. Das ONC und die Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) veröffentlichten am 9. März zwei Regelwerke – mit dem Ziel, den Informationsfluss zwischen allen Beteiligten im Gesundheitswesen inklusive insbesondere der Patienten sicherzustellen.

Feedback der Teilnehmer

Unter den Gesprächsteilnehmern: Vertreter des Deutschen Herzzentrums (DHZB). Mit der Charité bündelt es künftig seine herzmedizinische Kompetenz – wissenschaftlich, klinisch, rechtlich und wirtschaftlich, in einem geplanten Zentrum. Reiner Petersen, Leiter Informationstechnik im DHZB, war in den USA auf der Suche nach Modellen und Umsetzungsbeispielen einer zukunftsweisenden IT-Infrastruktur für dieses Großprojekt. Neben den klinisch generierten Informationen sollen zur Qualitätskontrolle Daten integriert werden, die vom Patienten per Device oder App bereitgestellt werden. Dass man mit einer „Standardsoftware“ wie HealthShare von InterSystems solche Anforderungen in einem komplexen Netzwerk abdecken kann, hat Petersen beeindruckt. Da das DHZB bereits mit InterSystems-Technologie im Bereich der Datenkommunikation arbeitet, werde man sich nun sicher im Detail mit diesem Ansatz auseinandersetzen.

Der Herzchirurg Dr. Alexander Meyer arbeitet an der DHZB-Spinoff-Lösung x-cardiac mit. Dank KI-basierter Mustererkennung und Reproduktion ermöglicht sie auf Grundlage generierter Messdaten Vorhersagen für Patienten auf Intensivstation, die Risiken verringern und Outcomes verbessern. Über den Behandlungsverlauf und die Behandlungskette hinweg verfügbare interoperable Patientendaten bilden die Voraussetzung – die Herangehensweise des GHHC erscheint hier attraktiv.

Bernd Sadlo, Head of Healthcare bei Kapsch BusinessCom, kann sich eine ähnliche Vernetzungsinfrastruktur mit Services unter anderem in der Radiologie und in verwandten Bereichen vorstellen. Sein Unternehmen unterstützt beispielsweise eine Telemedizin-Organisation in der Schweiz mit elektronischer Überweisung und Medikation sowie eine neurologische Großpraxis in Zürich, die telemedizinisch ihre Stroke-Expertise umliegenden Spitälern zur Verfügung stellt. Für das Elektronische Patientendossier EPD diskutiert Kapsch Patienten-Onboarding Authentifizierungstechniken aus dem Finanzwesen.

Interoperable Datenverfügbarkeit, neue Datenquellen, Vernetzung mit einer Vielfalt von Systemen – solche neuen Anforderungen können bestehende KIS-Monolithen nicht mehr erfüllen, betonte Guido Burkhardt. Leistungslogistik, flexible Teamplanung und Pflegedokumentation, fuhr der Gesundheits-IT-Experte und Delegationsleiter der swissig fort, bestimmten inzwischen den Bedarf der Anwender. Die von GHHC eingesetzte Plattform mit Tools und Services beurteilte er als praxistaugliches Modell, um in einer Best-of-breed-Welt IT zum größtmöglichen Vorteil für alle Beteiligten einzusetzen. So sei die Offenheit gegenüber Services auf Basis von Gesundheitsdaten in der Schweiz groß – für Burkhardt ein geeignetes Setting für Angebote wie in der texanischen Region.

Autor: Michael Reiter, freier Journalist, spezialisiert auf den Gesundheitssektor
Der Artikel ist zuerst in der Clinicum 2-2020 erschienen.

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